Die 6 Strategischen Entwicklungsziele mit Handlungsempfehlungen
… müssen auch vor dem Hintergrund der langfristigen Bevölkerungsprognose (nämlich Stagnation) gesehen werden.
… sind teilweise von interkommunaler Kooperation abhängig (Mobilität, Vernetzung Landschaftsräume, Frischluft, Wohnbauflächen etc.).
… fokussieren auf die effektivsten Stellschrauben, die größten Hebel zur Verbesserung der Stadt.
… müssen zum Wohl zukünftiger Generationen gegeneinander abgewägt werden.
… verlangen nach gemeinschaftlichem Handeln im Interesse der gesamten Bürgerschaft.

Innen- vor Außenentwicklung!

  • Qualifizierende Innenentwicklung klar gegenüber einer Siedlungserweiterung priorisieren.
  • Innenentwicklung dreifach denken: (neue) Wohnbau- und Gewerbeflächen generell verbinden mit der Entwicklung brauchbarer Freiräume und nachhaltiger Mobilitätsangebote.
  • Nutzungsdichte austarieren. Sie macht Stadt lebendig, kommunikativ und effizient. Wichtige Qualitätsmerkmale sind ein Wechselspiel aus zentralen, belebten und ruhigen Orten und Rückzugsangebote im Freiraum.
  • Konsequente Entwicklung (Nachverdichtung) von Gebieten in Gehdistanz zu den Haltepunkten des schienengebundenen Personennahverkehrs mit gezielter Bündelung von öffentlichen Funktionen.
  • Entwicklung bislang nicht integrierter, häufig lärmbelasteter Tallagen (Brachen, Bahnflächen, Verkehrsgrün etc.) zu Mischgebieten und urbanen Dienstleistungsbereichen unter Einbezug von Sonderwohnformen.
  • Intensivierung der interkommunalen Abstimmung zur Entwicklung von Wohn- und Gewerbeflächen insb. bei Siedlungserweiterungen.

 

Identität weiterdenken!

  • Räumliche Identität der Stadt Würzburg erlebbar machen und stärken, Vielfalt und Einprägsamkeit der vorhandenen Stadtstrukturen erhalten.
  • Kontinuität und Innovation verbinden: barocke Stadtstruktur klimaresilient und zukunftsfähig machen, ohne sie zu überformen.
  • Hänge mit Weinbau, Gärten und Streuobstwiesen als stadtbildprägend in Wert setzen und landschaftsbezogen erschließen.
  • Moderne Architekturen als Teil der Stadtidentität in Wert setzen.

 

Wohnen für alle!

  • Aktive Bodenpolitik und Liegenschaftsmanagement anstreben (sozial gerechte Nutzungsverteilung; sozial geförderter Wohnungsbau, Bauverpflichtungen etc.).
  • Wohnen prinzipiell mit Nahversorgung, sozialer Infrastruktur und Freiraumangebot und Mobilität zusammen konzipieren. Erreichbarkeit mit Umweltverbund sicherstellen.
  • Wohnbaupotenziale an sich ändernde Bedarfe anpassen (Wohnformen, Eigentumsdiversität, Finanzierungsmodelle etc.).
  • Auch die Qualitäten von Einfamilienhaussiedlungen anbieten
  • Neue kompakte, integrierte, bezahlbare Wohnformen für junge Familien und Mehrgenerationen durch Flächenbereitstellung ermöglichen.
  • Optionen einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung in den dörflich geprägten Quartieren sondieren (Nahversorgung?, Erschließungskosten in Hanglagen?, Schutz wertvoller Biotopstrukturen? etc.).

 

Gestaltung einer nachhaltigen Mobilität!

  • Raumansprüche der Mobilitätsformen neu austarieren und Nahmobilität (Umweltverbund) priorisieren.
  • Anteil des motorisierten Individualverkehrs möglichst reduzieren und stadtverträglich bündeln.
  • Straßenräume als multifunktionale Räume und Teil der grün-blauen Infrastruktur verstehen, entwickeln und gestalten.
  • Motorisierten Individualverkehr flächenhaft in den Wohnquartieren beruhigen und flächensparende Modelle für den ruhenden Verkehr ausbauen (Reduktion von Lärm- wie Schadstoffemissionen, Barrierewirkungen, Flächenbeanspruchung etc.).
  • Kombination der Mobilitätsformen befördern (Carsharing, Mobilitäts-Hubs ausbauen, regionaler Ausbau des P+R-Systems etc.)
  • Infrastrukturschneisen überwinden. Querbarkeit durch Über- und Unterbauung, Reduzierung, Verlangsamung, etc. verbessern.

 

Die ökologische Stadt!

  • Grün-Blaue-Infrastrukturen (Freiraum-, Grün- und Gewässerstrukturen) als Tragsystem der Klimaresilienz, Biodiversität und Naherholung ausbauen und vernetzen.
  • Hochwasserschutz mit nachhaltiger Gewässerentwicklung, dem Ausbau der Biotopvernetzung und Fuß- und Radwegen verknüpfen.
  • Bauliche und Vegetationsstrukturen nach stadtklimatischen Gesichtspunkten modellieren. Dach- und Fassadenbegrünung befördern.
  • Nutzung der Freiräume für alle ermöglichen durch Vernetzung, Ausbau der Erreichbarkeit und Diversifizierung (urban gardening, Spielplätze, Flussbadekultur etc.).

 

Würzburger Wirtschaft profilieren!

  • Tourismus integrieren und stärken. Angebote für Gäste und Würzburger gleichermaßen entwickeln. Auf Qualität anstatt auf Quantität setzen.
  • Gewerbeflächen effizienter nutzen und für Unternehmensansiedelungen, Beschäftigte und Kunden umfassend standortbezogen qualifizieren (Erreichbarkeit, Freiraum, Gastronomie etc.). Gewerbe auch mit Wohnnutzungen und sozialen Strukturen kombinieren.
  • Technologiestandorte und Forschungsinstitute als Innovationscluster befördern, für Beschäftigte attraktiver gestalten (Erreichbarkeit, Gastronomie, Kinderbetreuung etc.) und in die Stadtstruktur integrieren.
  • Erreichbarkeit des innerstädtischen Einzelhandelszentrums für Pendler und Touristen durch nachhaltige Mobilität (Ausbau ÖPNV, Radwegenetz, Fußgängerbereiche, spezifische Mobilitätsangebote etc.) sichern.
  • Stadtnahe Landwirtschaft weiterentwickeln. (Direktvermarktung; Landwirtschaftsbetriebe als Dienstleister, Qualifizierung der Feldfluren für die landschaftsbezogene Erholung etc.).

 

Was finden Sie gut? Was sehen Sie kritisch? Was sollte wie modifiziert werden?

 

4 Kommentare
  1. Die strategischen Entwicklungsziele und die großangelegte Bürgerbeteiligung sind nur sinnvoll, wenn sie auch tatsächlich in die Tat umgesetzt werden und nicht immer wieder über Bord geworfen werden. Sonst mutiert das gesamte Verfahren zur Farce.

  2. “Nachhaltige Mobilität” und “Die ökologische Stadt”

    Einige der genannten Punkte gehen durchaus in eine gute Richtung. Die drastische Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) ist ein wesentlicher Faktor für die Entwicklung hin zu einer lebenswerten Stadt für alle. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob die hier formulierten Vorhaben tatsächlich konsequent umgesetzt werden oder doch nur wieder als leere Phrasen verblassen.

    Durch die Umwidmung einiger relevanter Straßen in Fuß- und Radwege (ggf. frei für Linienbusse) mit parkähnlichem Charakter durch seitliche Bäume und Aufenthaltsbereiche können gute Rad-Schnellverbindungen und gleichzeitig innerstädtische Erholungsgebiete geschaffen werden. Durch die Umsetzung an geeigneten Stellen (z.B. Rennweg, Mainkai, Balthasar-Neumann-Promenade u.v.m.) kann die Zufahrt in die Innenstadt durch den MIV erschwert und dagegen die Aufenthaltsquallität deutlich gesteigert werden.

    Die aktuelle Entwicklung in der Stadt geht leider nicht in diese Richtung. Es werden an vielen Stellen markante Bäume gefällt. Es wird darauf verzichtet, das Radwegenetz konsequent auszubauen, da dadurch der MIV in seiner gewaltigen Dominanz eingeschränkt werden könnte. Symbolisch für diese Politik ist die Nutzung wesentlicher zentraler Flächen als Parkplätze für PKW. Vor der Residenz – eines der wesentlichen Wahrzeichen der Stadt – wird ein großer Parkplatz betrieben, der von vielbefahrenen Straßen flankiert ist. Der Paradeplatz hinter dem Dom würde sich als parkähnliche Grünanlage mit Naherholungscharakter hervorragend eignen, wird allerdings als Parkplatz für PKW verwendet.

    Die Strategischen Entwicklungsziele lassen sich so durchaus befürworten. Ich hoffe auch, dass diese Ziele konsequent verfolgt werden. Durch die Beobachtung der aktuellen und bisherigen Bau- und Stadtentwicklungsmaßnahmen kann ich keine Schritte in Richtung der angegebenen Ziele erkennen und mir leider auch nur schwer vorstellen dass eine entsprechend deutliche Wende in absehbarer Zeit vollzogen wird.
    Bitte überzeugen Sie mich durch die Verwirklichung der obigen Ziele vom Gegenteil!

    1. Die Focierung von ÖPNV, Rad- und Fußverkehr ist sehr wichtig, denn der momentane Zustand ist jenseits von Gut und Böse.

  3. Beim Thema Mobilität vermisse ich einen deutlichen Auftrag Fußgänger und unmotorisierte Fortbewegungsmöglichkeiten wie Radfahren oder auch Tretroller zu fördern, was nicht nur umweltfreundlich wäre, sondern auch der allgemeinen Gesundheitsförderung dienlich ist.

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